Direktorin Dr. Martina Adami
Mein Name ist Martina Adami, ich bin die neue Direktorin am Realgymnasium Bruneck, komme aus Bozen, habe dort 20 Jahre lang am Realgymnasium Deutsch und Latein unterrichtet, und freue mich nun auf meine neue Aufgabe.
Was ich bisher in Bruneck und am Realgymnasium gesehen habe, hat mich erstaunt und gefreut, ich habe eine sehr lebendige Schule vorgefunden, mit vielen, vielen Lehrpersonen, die großartige Ideen einbringen und sie kompetent umsetzen, mit Schülerinnen und Schülern, die neugierig sind, die bereit sind, sich in der Klasse, aber auch in Projekten außerhalb des Klassenraums zu engagieren, mit sehr freundlichen und bemühten Mitarbeitern im Sekretariat, unter den Schulwarten und Assistenten.
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Meine Aufgabe als Schulführungskraft sehe ich nicht nur im verwaltungstechnischen Bereich. Ich bin überzeugt, dass Schule nur funktionieren kann, wenn sich gerade auch die Schulführungskraft im methodisch-pädagogisch-didaktischen Bereich einbringt, Diskussionen anregt, Bewährtes mit trägt und Schule mit gestaltet, indem sie versucht, die vielen, vielen, auch unterschiedlichen Intelligenzen, die es in einer Schule gibt, zu unterstützen und zu einem "Ganzen" werden zu lassen. Kommunikation, miteinander reden, etwas ausreden, aber auch klare und konsequente Botschaften zu geben, das sind für mich ganz wesentliche Säulen meiner Arbeit.
In diesem Sinn bin ich gespannt auf das, was in diesem Schuljahr entstehen wird, und bereits mehr als überzeugt davon, dass es im RG Bruneck ein wunderbares Potential gibt, mit dem sich auf den verschiedensten Ebenen ausgezeichnet arbeiten lässt.
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Wie würden
Sie sich selbst beschreiben?
Ich bin ein Typ, der sehr lange und gründlich überlegt, bevor er Entscheidungen
trifft - wahrscheinlich manchmal zu lange. Ich versuche auf Menschen sehr viel
Rücksicht zu nehmen, ich bin vielleicht auch zu gutmütig. Wenn es hingegen
darum geht, Arbeiten zu erledigen, bin ich recht rationell und flott, vielleicht
sehe ich mich zu viel als "Bürohengst" und Verwalter und zu wenig als Pädagoge
und Didaktiker.
Was
glauben Sie, dass andere von Ihnen denken?
Ich kann mir vorstellen, dass mich manche als ein bisschen emotional aufbrausend
erleben oder etwas zu wenig entscheidungskräftig. Für andere hingegen möchte
ich meine Ideen zu schnell durchsetzen, möchte zu viel auf einmal.
Haben Sie
Hobbys? Welche?
Ich bin kein Sportfanatiker,
trotzdem wandere, bergsteige und langlaufe ich gerne und häufig. Mein Pensionshobby
wird sicher die Astronomie sein, ich begeistere mich dafür nämlich schon, seit
ich ein Kind war; wegen meines Berufes aber fehlt mir die Zeit, dieses Hobby
zu pflegen.
Was
ist Ihre Meinung zu Ihrer Schule?
Ich sehe das
Realgymnasium, unser Realgymnasium, als eine recht moderne Schule: Das Konzept
des naturwissenschaftlichen Labors wird durch viele Schülerversuche und messtechnisches
Arbeiten umgesetzt. In diesem Sinne sind wir eine Schule, die den Namen Realgymnasium
sicher verdient. Was ich auch positiv hervorheben möchte, ist die Bereitschaft
des Kollegiums moderne Unterrichtsmethoden, z.B. offene Lernformen, anzuwenden.
Ich glaube, darin liegt die Stärke unsere Schule.
Gibt
es in Ihrer Arbeit Grundsätze, an die Sie sich halten?
Ein Grundsatz,
den ich habe, ist: nicht von anderen mehr zu verlangen als von sich selbst.
Ich halte nicht viel von Menschen, die bei der Arbeit Stunden und Minuten zählen.
Die Arbeit sollte Freude bereiten, nicht nur Pflichtausübung sein. Es liegt
mir am Herzen, dass Lehrer, Schüler und auch Personal die Arbeit machen, weil
sie einen Sinn hat.
Was
erwarten Sie sich von Schülern und Lehrpersonen?
Mir persönlich
ist es wichtig, dass die jungen Leute sich an der Schule wohlfühlen, dass sie
aber auch gefordert werden. Das ist das, was ich den Lehrern auch sage: Ihr
müsst die Schüler in der Schule zum Arbeiten bringen. Für die Schüler sind
es Jahre, in denen wichtige Entwicklungen ablaufen und wichtige Entscheidungen
für das Leben getroffen werden. Wenn diese Zeit nicht sinnvoll und konstruktiv
genutzt wird, ist es schade um die Zeit, wobei sinnvolles Arbeiten auch heißt,
dass sie Freude und Lust bereiten darf. Das wünsche ich den Lehrpersonen und
Schülern. Ein Lehrer, der keine Freude an der Arbeit hat, kann nicht bis 65
an der Schule bleiben. Deshalb ist es mir wichtig, dass Lehrer auch selber
Freude an der Arbeit haben. Es ist schwer, jemanden zu motivieren, der sich
nicht selbst motiviert. Das gilt auch für euch Schüler und Schülerinnen. Das
ist eine Lebenseinstellung schlechthin.
Inwieweit
sind wir Ihrer Meinung nach schulisch gesehen wettbewerbsfähig im Vergleich
zu anderen Schulsystemen?
Ich persönlich
habe den Eindruck, dass das Realgymnasium, so wie wir es entwickelt haben,
europaweit wettbewerbsfähig ist, vom Konzept her sicher, von der Praxis und
von der Tatsache her, wie bei uns gearbeitet wird, auch. Unsere Studenten und
Studentinnen können in Deutschland und Österreich in den naturwissenschaftlichen
und mathematischen Fächern relativ gut mithalten, in bestimmten Fächern sogar
sehr gut. Ich glaube, wir sind recht gut, was nicht heißt, dass wir uns nicht
verbessern können. Wer sagt, er sei gut, der ist nicht gut; gut ist nur, wer
besser werden will.
Was
würden Sie in Ihrer jetzigen Situation am Realgymnasium verändern?
Unsere Schule
ist auf einem guten Weg, aber es bleibt auch noch einiges zu tun, so wäre z.B.
die Einsicht wichtig, dass nicht die Stofffülle, sondern die Intensität der
Arbeit zählt. Wichtig ist, dass der Schüler sich auf den Weg macht, dass er
selbständig eine Lösung sucht, die nicht immer gleich die richtige sein muss.
Deshalb würde ich die offenen Lernformen fördern; die Lehrpersonen neue Unterrichtsmethoden
versuchen lassen, von denen ich überzeugt bin, dass sie den Schülern für den
Lernprozess mehr bringen. Es sollen Methoden eingesetzt werden, bei denen der
Schüler möglichst viel selber erarbeitet, selber probiert, der Lehrer soll
nur ein Begleiter sein. Das Vortragen im Sinne von Referieren muss noch reduziert
werden. Der Schüler soll auch erlernen, wie man aus Masseninformationen Wichtiges
herausfiltert und dadurch Wissen erlangt.
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